Welternährungstag: Kampf gegen Hungerkrisen stagniert weltweit

Welternährungstag:Wenig Fortschritte im Kampf gegen den weltweiten Hunger

|

Konflikte, Vertreibung und Wetterextreme verschärfen die Hungerkrise in vielen Ländern. Zugleich steht immer weniger Geld für humanitäre Hilfe zur Verfügung.

Sudanesische Familien strecken ihre Hände aus, während Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Lebensmittel verteilen

Zur Eröffnung der Woche der Welthungerhilfe richtete sich Bundespräsident Steinmeier in einer Ansprache an die Bürgerinnen und Bürger und rief zum Spenden auf.

11.10.2026 | 2:48 min

Der Kampf gegen den Hunger kommt weltweit kaum noch voran. Während einige Länder Fortschritte erzielen, verschärfen Konflikte, Vertreibung und Wetterextreme die Not andernorts. Das zeigen Berichte mehrerer Hilfsorganisationen zum Welternährungstag am 16. Oktober.

Zugleich sank die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe in Krisengebieten nach Angaben von Aktion gegen den Hunger zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Auch der Ukraine-Krieg belastete die globalen Nahrungsmittel- und Düngemittelmärkte und trieb die Lebensmittelpreise nach oben. Die Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und Iran verschärften die Lage.

Menschen füllen in Khartum Wasserbehälter an einer kostenlosen Ausgabestelle.

Die Welthungerhilfe hat trotz weltweiter Kürzungen von Hilfsgeldern 2025 mehr Projekte finanziert als im Vorjahr. Die höchste Förderung erhielten der Südsudan, der Sudan und die Ukraine.

16.07.2026 | 0:30 min

Hunger nimmt in vielen Ländern zu

Der von der Welthungerhilfe und zwei Partnerorganisationen veröffentlichte Welthunger-Index stieg im Vergleich zum Referenzjahr 2018 von 17,6 auf 18,1 Punkte. Damit verschlechterte sich die weltweite Hungersituation erstmals seit Beginn der bis 2000 zurückreichenden Datenreihe wieder. In 32 Ländern nahm der Hunger seit 2018 zu, in 20 weiteren gab es kaum Fortschritte.

Besonders dramatisch ist die Lage in Afrika südlich der Sahara: Sieben der acht Länder mit einer alarmierenden Hungersituation liegen dort, ebenso die drei größten erfassten akuten Ernährungskrisen weltweit.

Ebola

Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo droht nach UN-Angaben außer Kontrolle zu geraten. "Wir kommen derzeit noch nicht hinterher", warnt Ursula Langkamp von der Welthungerhilfe.

19.08.2026 | 6:53 min

Ernährungskrisen konzentrieren sich auf wenige Staaten

Wie stark sich akute Ernährungskrisen auf wenige Länder konzentrieren, zeigt eine Auswertung von Aktion gegen den Hunger. Demnach waren 2025 in 47 erfassten Ländern und Gebieten rund 266 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.

Zwei Drittel von ihnen lebten in nur zehn Ländern. Auf Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und den Sudan entfielen zusammen 82,9 Millionen Betroffene.

Schaltgespröch zwischen Hager Ali und Nazan Gökdemir.

Es gebe ein "sehr großes Finanzierungsloch" in der humanitären Hilfe für den Sudan, sagt Politikwissenschaftlerin Hager Ali. Die Versorgungsengpässe würden sich weiter vergrößern.

16.04.2026 | 4:36 min

FAO: Rund 645 Millionen Menschen hungern weltweit

Die Ernährungsorganisation FAO der Vereinten Nationen meldete für 2025 zwar einen leichten weltweiten Rückgang chronischen Hungers auf 645 Millionen Menschen, vor allem dank Verbesserungen in Asien sowie Lateinamerika und der Karibik.

Die Zahl ist jedoch nicht mit der Erfassung von Ernährungskrisen gleichzusetzen. Der Welthunger-Index berücksichtigt zudem Unterernährung, Mangelernährung bei Kindern und Kindersterblichkeit.

Millionen Menschen in Afghanistan sind von einer Hungerkrise betroffen.

Seit der Machtübernahme der Taliban vor fünf Jahren hat sich die humanitäre Lage in Afghanistan dramatisch verschärft. Millionen Menschen leiden unter Hunger.

11.08.2026 | 1:36 min

Sudan, Nigeria und DR Kongo besonders betroffen

Der Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. Letztes Jahr war fast die Hälfte der Bevölkerung von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.

In Nigeria hat sich die Hungersituation laut Welthunger-Index seit 2018 stärker verschlechtert als in jedem anderen Land. 2025 hatte Nigeria nach Angaben von Aktion gegen den Hunger mit 30,6 Millionen Menschen die größte erfasste akute Ernährungskrise.

In der Demokratischen Republik Kongo litten im vergangenen Jahr 27,7 Millionen Menschen unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Kämpfe, Vertreibungen und Plünderungen behindern die Landwirtschaft und den Handel, hinzu kommt der schwere Ebola-Ausbruch.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Quelle: dpa, kna
Über dieses Thema berichtete das ZDF spezial am 11.10.2026 ab 18:55 Uhr.
Thema

Mehr zum Thema Hunger

  1. Ein Mädchen sitzt auf dem Boden und hält einen Stock in der Hand. Im Hintergrund sind weitere Personen und eine Herde Ziegen.

    UN-Welternährungsprogramm warnt:Iran-Krieg stürzt 45 Millionen mehr Menschen in Hunger

    Susann von Lojewski, Nairobi
    mit Video2:34

  2. Symbolbild: Ein Waisenkind sitze neben einem  teller
    Interview

    Kritik an Etatplan der Bundesregierung:"Brot für die Welt"-Chefin: Kürzungen kosten Menschenleben

    mit Video5:27

  3. Krankenhausmitarbeiter verteilen Essen an Patienten und Angehörige im Atatürk-Nationalen Kinderkrankenhaus in Kabul, Afghanistan.

    Hungerkrise in Afghanistan:Der tägliche Kampf ums Überleben

    Dominik Lessmeister, Kabul
    mit Video1:36

  4. Latifa Bakkar versucht, ihrem schwer unterernährten 2½-jährigen Sohn Abu Bakar Sauerstoff zu verabreichen, während eine Krankenschwester ihm im Indira-Gandhi-Kinderkrankenhaus in Kabul, Afghanistan, am  15. 2. 2026, eine intravenöse Kanüle in den Arm legt.